• Sabrina

WENN DAS LEBEN EINE NEUE RICHTUNG VORGIBT - UNGEPLANT SCHWANGER

RETROSPEKTIVE: EINE EPISODE AUS UNSEREM PRIVATLEBEN


Unsere kleine Familie - 1994

Ich hatte mich Anfang 1993 entschlossen via einem brandneuen Ausbildungsmodell die Maturität nachzuholen. Nicht, weil ich stets glänzende Schulnoten vorweisen konnte oder Schulstoff pauken mir leicht fiel - denn das tat es nicht. Auch nicht weil es mein sehnlichster Wunsch war, an die Uni zu gehen.

Nein. Nach nur 18 Monaten in meinem Bürojob als kaufm. Sachbearbeiterin, hatte ich bereits Lust auf Veränderung. Ich wollte mich weiterentwickeln und vor allem wollte ich für längere Zeit im Ausland arbeiten. Als Sprachbegabte und Abenteuerlustige mit grosser Lust, irgendwo in einem Land, wo es warm und das Meer vor der Haustür ist, einen guten Job ergattern und eine Weile leben - das war es, was ich wollte.

Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, irgendwo in einem Konsulat/auf einer Schweizer Botschaft als administrative Mitarbeiterin zu fungieren. Die Voraussetzung, um sich überhaupt für eine Botschafts-Stelle zu bewerben, war eben eine Matura.


Maturität nachholen - wahrhaftiger Pfad meines Herzens? 🤔

Seit nunmehr 4 Monaten schon besuchte ich bereits den berufsbegleitenden Unterricht an manchen Abenden und jeden Samstag. Meine Festanstellung konnte ich auf 60% reduzieren, um mich auf den Unterricht im Selbststudium vorzubereiten und meine Hausaufgaben zu machen.

Nun, da wir hier unter uns sind: Nicht alle Fächer interessierten mich. Wirtschafts-Geografie & Mathematik zum Beispiel waren meine absoluten Lustkiller und kosteten mich viel Energie. Der Sprachunterricht hingegen saugte ich auf - obwohl dieser auf der Maturitätsstufe nicht nur aus ‚Zuckerschlecken‘ bestand. Ich musste auch dafür ordentlich arbeiten.


Frischverliebt mich an einigen Abenden & jeden Samstag in den Unterricht zu setzen und meine Gedanken NICHT bei meiner neuen Liebe zu haben, war zugegeben eine grosse Challenge für mich. 

Nach dem Motto: Wer A sagt muss auch B sagen (wer dies erfunden hat, weiss ich nicht mal) oder einfach: jetzt hab ich mich für diesen Lehrgang entschieden, die Schulbücher und das 1. Semester des Lehrgangs bereits bezahlt, zwang ich mich immer wieder ‚durchzubeissen‘ und ‚gegen meinen Willen‘ die Schulbank zu drücken ... es geht ja nur noch 1,5 Jahre?!  Pfffffff...


(Ironie ON) Zu meinem Glück wurde es auch noch gerade Frühling, das Wetter wärmer, die Abende länger und die Sonne lud ein, um Markus auf die eine oder andere Motorrad-Tour zu begleiten, zumal ich seit meinem 19. Lebensjahr selber eine begeisterte Motorradfahrerin war.


Erstens: kommt es anders & zweitens: als man denkt...

Du siehst… es lief nicht wirklich so, wie ich das geplant hatte. Es kostete mich einiges, die Weiterbildung weiterlaufen zu lassen und zu versuchen, mit den Noten irgendwie auf Kurs zu bleiben… Spass machte es mir nicht mehr sonderlich - die Anfangsbegeisterung, war schnell verpufft und ich hatte nur noch einen Anschiss.


Ende Mai 1993, es war über das verlängerte Pfingst-Wochenende, reisten Markus und ich zur Auflockerung nach London, um diese verrückte Stadt zu besuchen. Nach dem Kurztrip ging das Leben normal weiter. Er arbeitete und ich arbeitete Teilzeit und besuchte die Weiterbildung.


Was ich damals noch nicht ahnte war, dass wir zu Zweit nach London reisten - jedoch ‚zu Dritt‘ wieder nach Hause zurück kehrten… 

Nach dem Schweizer Mundart-Spruch:’An Pfingsten geht’s am ringsten’ (Übersetzung für die Nicht-Schweizer: An Pfingsten geht’s am einfachsten) - wurde ich schwanger.

Dies bemerkte ich dann typischerweise, als meine Monatsblutung ausblieb und meine Brüste angespannt waren und schmerzten. Irgendetwas konnte da nicht stimmen und ich kaufte mir irgendwann in der Apotheke einen Schwangerschaftstest und wollte diesen an einem Morgen alleine in meiner Wohnung durchführen.


Schwanger - und jetzt?

Halle-Julia ich war sprachlos & geschockt und langsam dämmerte mir, was da passiert war. In meinem ersten Schock rief ich - nein nicht Markus und auch nicht meine Mama, sondern meinen Ex-Freund !! an und verkündete ihm noch unter Schock, dass ich schwanger war. Seine Reaktion ganz cool:“Herzlichen Glückwunsch! .... äähh aber nicht von mir, oder?“ 😅


Wer selber schon eine ungeplante Schwangerschaft erlebt hat, kann sicher nachempfinden, wie es mir ging. Tausende von Fragen und Möglichkeiten schossen mir durch den Kopf und ich wusste nicht, was ich denken sollte und vor allem, was ich jetzt tun sollte! … Angst & Freude vermischten sich. Ich spielte alle möglichen Szenarien in meinem Kopf durch: Abtreibung? Behalten? Was, wenn Markus das Baby nicht wollte? Was wird jetzt aus meinen Plänen?


Ohne Zweifel! Markus war durchaus dieser Typ von Mann, den ich mir sehr gut als Ehemann und Vater meines Kindes an meiner Seite vorstellen konnte. Er ist solid, er ist bodenständig, ich vertraue ihm zu 100%, er ist stets für mich da, er ist der Fels in der Brandung, er strahlt eine innere Ruhe aus, ich fühle mich sicher und geborgen und vor allem waren wir frisch verliebt !!


Aber zum errechneten Zeitpunkt der Geburt, würde ich gerade erst meinen 23sten Geburtstag feiern. Ist das nicht zu früh? Ich hatte doch anderes vor in meinem Leben? Bin ich schon bereit für ein Kind und konnte ich die Verantwortung für ein Kind wirklich schon zu 100% übernehmen? Mutter sein - wie geht das? Kann ich das?

Und ist die junge Beziehung zu Markus, die erst ein paar wenige Monate dauerte, genug stark, um diese Prüfung zu bestehen oder waren wir zum Scheitern verurteilt?

Mein Leben als Erwachsene war doch selber noch gar nicht so viele Jahre alt und erst vor 2 Jahren bin ich mit meiner Erstausbildung fertig geworden!

Was ist jetzt mit meiner Matura und meinem Leben im Ausland?


In etwa so lief es Tag für Tag. Fragen über Fragen - und jeden Tag kamen Neue dazu.


Eins wurde mir ziemlich schnell klar: Eine Abtreibung kam für mich überhaupt nicht in Frage! Ganz egal, wie Markus sich entscheiden würde. Ich würde das Kind behalten!

Wenn es sein müsste, dann würde ich mein Kind als Alleinerziehende mit der Unterstützung meiner Eltern grossziehen - da war ich mir ganz sicher!


Wie wird er entscheiden?

Darum liess ich Markus die freie Wahl, ob er weiterhin bei mir und dem Baby bleiben möchte und wir somit unsere eigene kleine Familie gründeten oder ob er diese grosse Verantwortung einfach noch nicht auf sich nehmen möchte und lieber alleine weiterzog. Er solle sich dies gründlich überlegen, was er wolle.


Es dauerte keine 2 Minuten und er sagte sofort:“Ich möchte mit dir zusammen bleiben und wir können noch dieses Jahr, bevor das Baby zur Welt kommt, heiraten.“

Ich war natürlich sehr erleichtert, dass Markus zu mir & unserem Baby hielt und mir seine aufrichtige Liebe zeigte. Aber sofort zu heiraten, das wollte ich dann auch nicht - nicht sofort.

Ich spürte, dass ich zuerst schauen wollte, wie unsere Beziehung sich mit Kind entwickeln würde und erst, wenn wir 2 auch als kleine Familie ‚harmonieren‘, können wir über eine Heirat sprechen. Unser Kind wäre dann an unserer Hochzeit auch dabei!


Und so war es!

Im Februar 1994 erblickte unser erster Sonnenschein JULIA das Licht der Welt.

Rund 1,5 Jahre später, gaben Markus und ich uns im September 1995 das JA-Wort.

Im Oktober 1995 wurde ich zum 2. Mal und geplant schwanger und im Juli 1996 kam unser 2. Sonnenschein JASMIN zu uns und wir waren komplett - als glückbringendes 4-blättriges Kleeblatt !! 🍀


Die Weiterbildung mit Matura-Abschluss hab ich an den Nagel gehängt. 

Das Leben zeigte mir auf eindrückliche Weise, dass dies nicht der richtige Weg gewesen war und das eine ganz andere Aufgabe auf mich wartete, nämlich das Mutter sein.


Ich wünschte mir eine Veränderung und Weiterentwicklungsmöglichkeiten - und die bekam ich auch - einfach anders, als geplant! 😅


Auch wenn man es anfänglich nicht so recht glauben kann: Das Leben ist immer FÜR uns und nicht GEGEN uns !!


Von Herzen DANKE Julia + Jasmin, dass ihr beide den Weg zu uns gefunden habt !! 😍


THE HAPPY-END




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